Strategie ist Bestand
V*Find · Werkstattpapier · August 2026

Strategie ist Bestand. Auch Suchwege gehören erschlossen.

Zwei Tabellen, die als Wissensbasis für KI-Recherchebots dienen: ein Katalog von 26 dokumentierten Suchstrategien und ein Register von 146 Fachgebietsfiltern mit fertigen Querybausteinen für V*Find (Discovery der Vorarlberger Landesbibliothek (VLB)). Diese Seite legt beides offen, zerlegt die Mechanik und begründet, warum das Zeug in eine gepflegte Datei gehört und nicht in drei Köpfe.

Wer nur Bücher erschließt, erschließt die Hälfte. Alle Links auf dieser Seite sind echt und führen in den laufenden Katalog.

26Suchstrategien14 zur Suchanfrage, 10 zur Ergebnissteuerung, 2 zu externen Wegen
146Fachgebietsfilter21 Wurzeleinträge, 125 Unterfächer über 30 Fachgebiete
211Querybausteine191 im Feld sub, 20 im Feld callnumber
55AusschlüsseNegationen, die Treffermengen sauber halten — der unsichtbare Teil der Arbeit

1 — Anatomie eines Searchlinks

Ein Searchlink ist keine Adresse, sondern eine ausgeschriebene Suchhandlung. Wer ihn lesen kann, kann ihn auch prüfen, korrigieren und einem Bot als Vorlage geben. Unten steht der Musterlink aus der Übersicht der Fachfiltertabelle der VLB: das Thema Pubertät, eingeschränkt auf Psychologie und Pädagogik. Jeden Baustein anklicken.

Bausteine anklicken Jeder Teil des Links macht genau eine Aussage. Zusammen ergeben sie eine Suche, die man wiederholen, weitergeben und widerlegen kann.

Diesen Link ausführen

Die Regel, die niemand von selbst errät

Der vierte Wert eines query-Bausteins — AND, OR, NOT — gehört nicht zum Term. Er ist das Scharnier zum nächsten Baustein. sub,exact,GSA,NOT schließt also nicht GSA aus, sondern verbindet GSA mit dem folgenden Baustein durch NOT. Beim letzten Baustein läuft der Wert ins Leere. Wer das umgekehrt liest, baut sich lautlos die Gegensuche.

2 — Der Strategiekatalog

26 Strategien, jede mit Beschreibung, Beispiel, ausführbarem Link und einer Lernregel — dem Satz, der aus Erfahrung stammt und in keiner Systemdokumentation steht. Genau diese Sätze sind das, was einem Sprachmodell fehlt.

3 — Fachfilter-Baukasten

Die zweite Tabelle hinterlegt zu jedem Fach einen fertigen Querybaustein. Kombiniert mit einem Freitextthema entsteht daraus eine disziplinär eingegrenzte Suche. Thema eintippen, Fächer anklicken, Link ausführen.

Fächer nichts gewählt

Suche öffnen

4 — Das Fachregister

30 Fachgebiete, 146 Einträge. Die Codes sind lokale Erschließungspraxis der Vorarlberger Landesbibliothek — sie stehen in keinem öffentlichen Vokabular und lassen sich nicht ableiten, nur nachschlagen.

5 — Drei Muster, die man nicht raten kann

Der Negativraum

Geschichte, alle Regionen: sub,exact,GSD,NOTcallnumber,contains,*GUI*,NOTsub,contains,Reiseführer.

Gesucht wird Österreich-Geschichte ohne die Reiseführer-Signaturgruppe und ohne das Schlagwort Reiseführer. Der Baustein weiß etwas über die Aufstellung des Hauses, nicht über Geschichte.

22 Geschichts-Einträge tragen diesen doppelten Ausschluss. Er ist reines Ortswissen.

Der Primär-Schalter

Zweimal derselbe Code, ein umgelegter Operator:

sub,exact,GED,NOT → Primärliteratur
= Germanistik, Sekundärliteratur
sub,exact,GED,AND → Primärliteratur
= deutschsprachige Belletristik

Ein einziges Wort trennt Forschungsliteratur von Romanen. 13 Sprachfächer sind so gebaut.

Die Kombinationsfalle

Zwei Fachcodes mit UND verknüpft — PSY und ERZ — treffen nur Titel mit doppelter Fachzuordnung. Bei einem interdisziplinären Thema ist das oft die kleinste denkbare Menge, nicht die passendste.

Interdisziplinär gedacht heißt meist ODER. Die Tabelle liefert das Bauteil, die Entscheidung bleibt bei der Person.

6 — Lesen Sie den Link

Vier Bausteine aus den Tabellen. Was tun sie? Eine Antwort wählen, dann kommt die Auflösung.

7 — Warum Suchstrategien erschlossen gehören

Bibliotheken erschließen seit jeher Informationsobjekte: Was ist das, wovon handelt es, wo steht es. Der Weg dorthin blieb dabei Handwerk — mündlich, personengebunden, unerfasst. Solange Menschen suchen, geht das gut. Sobald Maschinen suchen, wird es zum Engpass.

1

Ein Katalogisat beschreibt ein Ding, keinen Weg

Die Erschließung sagt, was ein Werk ist und worum es geht. Sie sagt nicht, mit welchem Feld, welchem Operator und welchem Filter man in diesem System dorthin gelangt. Das ist keine Lücke in der Erschließung — es ist eine zweite Ebene, die bisher niemand geführt hat.

2

Retrievalwissen ist Hauswissen

Dass GSA ohne Ausschluss die Reiseführer mitbringt, dass begins_with bei kurzen Zeitschriftentiteln trägt, dass die Volltextvoreinstellung die häufigste Nulltrefferursache ist: Das steht in keinem Handbuch. Es entsteht an der Auskunft und verschwindet mit der Pensionierung.

3

Kein Sprachmodell kennt Ihr System

Modelle haben Primo-Dokumentation gesehen, aber nie Ihre Fachcodes, Ihre Tabs, Ihre lokalen Facetten. Genau hier setzt das Erfinden ein: plausible Codes, plausible Parameter, plausible Nulltreffer. Ein Strategiekatalog ist die billigste bekannte Gegenmaßnahme — nicht mehr Modell, sondern Bodenhaftung.

4

Eine Strategie ist ausführbar, eine Antwort nur Text

Sagt ein Bot, es gebe zu einem Thema viel Literatur, muss man ihm glauben. Liefert er einen Searchlink, klickt man und sieht selbst. Der Link verlagert die Beweislast vom Modell zurück in den Katalog — und macht die Auskunft überprüfbar statt bloß flüssig.

5

Erschlossene Strategien kann man messen

Jeder Link ist ein Testfall. Treffermengen lassen sich vergleichen, Nulltreffer aufspüren, Rankingänderungen bemerken. Erschlossene Objekte zählt man; erschlossene Wege evaluiert man. Erst damit wird Retrievalqualität eine Zahl statt ein Gefühl.

6

Eine Quelle, zwei Publika

Dieselbe Zeile ist Schulungsmaterial für die Teaching Library und Konfiguration für den Bot. Was im Kurs erklärt wird, führt die Maschine aus — kein Auseinanderdriften zwischen dem, was wir lehren, und dem, was unsere Werkzeuge tun.

7

Strategien altern schneller als Bücher

pfilter ist Primo-Classic-Syntax; andere Oberflächen wollen facet. Eine Facette wird umbenannt, ein Fachcode fällt weg — und die Strategie zeigt keinen Fehler, sondern nur ein leeres Ergebnis. Ein Strategiekatalog braucht Revision, Pflege und Aussonderung. Also genau das, was ein Bestand braucht. Deshalb: Strategie ist Bestand.

8 — Was der Bestand gerade braucht

Wenn Strategien ein Bestand sind, dann gehört auch eine Bestandsprüfung dazu. Fünf Befunde aus der Durchsicht der beiden Dateien mithilfe eines KI-Tools — jeder von der Sorte, die im Betrieb niemals als Fehlermeldung erscheint, sondern als leerer Bildschirm.

Doppelt kodierte Umlaute

wirkungslos

In 34 Einträgen steht der Term bereits prozentkodiert in der Ablage und wird beim Linkbau ein zweites Mal kodiert.

…query=sub%2Ccontains%2CReisef%2520C3%2520BChrer

Gesucht wird dann buchstäblich die Zeichenfolge Reisef%C3%BChrer. Der Ausschluss greift nicht — und weil er ein Ausschluss ist, fällt es nur auf, wenn jemand die Reiseführer in der Trefferliste bemerkt.

Zwei Codes vertauscht

falsches Fach

Der Eintrag „Französische Philologie“ trägt den Code ORI statt ROF. Er liefert also orientalische Sekundärliteratur — sauber, plausibel, vollständig am Thema vorbei. Die Belletristik-Variante daneben nutzt korrekt ROF.

Der teuerste Fehlertyp: einer, der Treffer liefert.

Zwei Schalter klemmen

gleiche Menge

Bei „Sonstige romanische Belletristik“ und „Sonstige Sprachen Belletristik“ steht NOT, wo nach dem Muster der übrigen elf Sprachfächer AND stehen müsste. Beide liefern damit dasselbe wie ihre Philologie-Variante: Belletristik ist nicht erreichbar.

Zwei Vokabulare, eine Spalte

Modellierung

Im Fachregister mischen sich lokale Fachcodes (GSD, PSY) mit freien Schlagwörtern (Mikrogeschichte, Quellen, Reiseführer) und Formangaben. Für Menschen unproblematisch, für einen Bot nicht: Er braucht die Information, welcher Wert aus welchem Vokabular stammt — sonst erfindet er den nächsten Code nach Muster.

Eine zusätzliche Spalte „Vokabular“ löst das in fünf Minuten.

Ein Feld ohne Prüfdatum

Pflege

Keine der beiden Tabellen führt, wann eine Strategie zuletzt an der echten Oberfläche getestet wurde. Ohne Prüfdatum ist nicht unterscheidbar, ob eine Strategie funktioniert oder nur noch nie jemandem aufgefallen ist.

Vorschlag: Spalten geprüft am, Treffer beim Test, Vokabular. Drei Spalten machen aus einer Liste ein gepflegtes Verzeichnis.

Der letzte Operator

harmlos

Der Bool-Wert des jeweils letzten Bausteins wird nie ausgewertet. Kein Fehler — aber ein Stolperstein beim Lesen, und ein Grund, warum die Scharnier-Regel aus Abschnitt 1 in die Dokumentation gehört.

9 — Die Mustertabelle

Aus Abschnitt 8 folgt eine Konsequenz: Wenn Strategien ein Bestand sind, brauchen sie ein Verzeichnis mit Pflegespalten, nicht bloß eine Liste. Hier steht das Schema, das sich aus den beiden Arbeitstabellen und den fünf Befunden ergibt — als Semikolon-CSV, das Excel und LibreOffice ohne Import-Assistent öffnen.

Vier Spalten sind neu gegenüber den bestehenden Dateien: Bool trennt das Scharnier vom Term, Vokabular sagt, aus welchem Wertevorrat ein Code stammt, geprüft am und Treffer beim Test machen aus einer Behauptung einen Befund.

Die Spalten

IDFeste Kennung, z. B. SSI-001. Ohne ID kein Verweis aus Schulung, Bot oder Protokoll.
KategorieSuchanfrage, Ergebnisse, Extern — oder eine eigene Ordnung.
TitelWas die Strategie tut, in einem Satzteil.
LevelBasis oder Fortgeschritten. Steuert, was in die Schulung kommt.
BeschreibungWirkung in ein bis zwei Sätzen, ohne Beispiel.
Feldany, title, creator, sub, callnumber, isbn …
Operatorcontains, exact, begins_with.
TermUnkodiert eintragen. Prozentkodierung erst beim Linkbau — sonst entsteht der Fehler aus Abschnitt 8.
BoolAND, OR, NOT — das Scharnier zum nächsten Baustein, nicht Teil des Terms.
Vokabularlokaler Fachcode, GND-Schlagwort, Freitext, Signatur, Systemparameter.
SearchlinkVollständige, ausführbare URL.
LernregelDer Satz, der aus Erfahrung stammt und in keinem Handbuch steht. Die eigentliche Wertschöpfung.
geprüft amDatum des letzten Tests an der echten Oberfläche, ISO: 2026-08-21.
Treffer beim TestZahl. Macht Rankingdrift und stille Nulltreffer sichtbar.
geprüft vonKürzel. Wer es getestet hat, kann gefragt werden.
Statusaktiv, Revision, ausgesondert. Bestandspflege eben.

Semikolon-getrennt, UTF-8 mit BOM — öffnet in Excel und LibreOffice ohne Nachfrage.