Workshop · Praxisteil · Vorarlberger Landesbibliothek · August 2026

Begriffslieferant. Keine Antwortinstanz.

Die Maschine liefert Wortmaterial. Die Auswahl trifft ein Mensch, der weiß, wonach gesucht wird. Diese Seite führt die Arbeitsteilung vor, benennt das Prinzip und übergibt vier Werkzeuge — am rechten Rand steht jeweils, worauf es dabei ankommt.

Konkretes Beispiel Thema: nachhaltige Stadtplanung Zehn Begriffe zur Auswahl Vier Werkzeuge Ohne Anmeldung
Schablonenmotiv: Ein trichterförmiger Apparat spuckt einen Schwall leerer Zettel aus. Rechts prüft eine Strichfigur an einem Tisch einen einzelnen Zettel; vor ihr ein Stapel mit blauem Haken und ein Stapel mit rotem Kreuz.
„Die Auswahl“ · KI-generiertes Bild (FLUX 2) · Motiv und Prompt: Rechercheberatung der Vorarlberger Landesbibliothek
Randkommentar
Takt 01 — Konkretes Beispiel

Zehn Begriffe in zwei Sekunden. Und dann?

Ausgangspunkt ist ein Thema, das im Beratungsalltag ständig vorkommt: nachhaltige Stadtplanung. Der Prompt ist absichtlich unspektakulär — er verlangt kein Wissen, sondern Wortmaterial.

Gib mir 10 Synonyme und verwandte Suchbegriffe für „nachhaltige Stadtplanung“ — deutsch und englisch, ohne Erklärung, als Liste.

Die Ausbeute — und die Handarbeit daran

Jeder Zettel lässt sich anklicken: erster Klick = übernommen, zweiter Klick = verworfen, dritter Klick = wieder offen. Im Workshop machen wir das gemeinsam, laut und mit Widerspruch.

    Übernommen: 0 · Verworfen: 0 · Offen: 10

    Noch keine Entscheidung getroffen. Die Liste ist bis dahin nur eine Liste.

    Was hier eigentlich passiert

    Das Modell hat kein Urteil über den Bestand, über die Fragestellung und über das, was in der nächsten halben Stunde tatsächlich gebraucht wird. Es kennt Wortnachbarschaften. Die Zeit, die die Vorschlagsliste spart, wandert vollständig in die Auswahl — und die ist fachliche Arbeit, keine Bedienung.

    Was ab hier folgt Erst der Merksatz, der die Demo trägt — Begriffslieferant statt Antwortinstanz —, dann drei Fragen, die jede Auswahl steuern, und zuletzt vier Werkzeuge, die dasselbe Prinzip in eine Oberfläche gießen. Am rechten Rand steht, was der jeweilige Schritt tatsächlich tut. Der Randkommentar lässt sich oben abschalten.
    Takt 02 — Der Merksatz

    Begriffslieferant statt Antwortinstanz

    Der Unterschied klingt klein und entscheidet alles: Wer die Maschine nach Begriffen fragt, bekommt Material, das sich prüfen lässt. Wer sie nach Antworten fragt, bekommt Text, dessen Belege man erst mühsam nachträglich suchen muss — wenn es sie überhaupt gibt.

    Die Maschine

    liefert Synonyme, Ober- und Unterbegriffe, englische Entsprechungen, Randfelder. Schnell, breit, ungeprüft.

    Der Mensch

    wählt aus, streicht, ergänzt aus dem Schlagwortkatalog und weiß, welcher Begriff im eigenen Bestand trägt.

    Das Ergebnis

    ist eine Suchstrategie mit Boolescher Logik — nachvollziehbar, wiederholbar, korrigierbar.

    Drei Fragen, die die Auswahl steuern

    Frage 1 Trägt der Begriff im Katalog? Ein Modewort ohne Entsprechung in der Sacherschließung erzeugt null Treffer — oder die falschen.
    Frage 2 Passt die Flughöhe? Oberbegriffe holen zu viel, Spezialbegriffe zu wenig. Beides ist brauchbar, aber an verschiedenen Stellen der Recherche.
    Frage 3 Ist das noch mein Thema? Nachbarfelder sind verlockend. Sie gehören auf die Landkarte, nicht in die erste Suchzeile.
    Takt 03 — Zum Weiterarbeiten

    Vier Werkzeuge, die beim Strukturieren helfen

    Alle vier arbeiten nach demselben Muster: Sie schlagen Begriffe und Wege vor, sie behaupten keine Ergebnisse. Sie laufen im Browser, ohne Anmeldung, und lassen sich im Workshop direkt mitbenutzen.

    • Recherchelandkarte

      Für den Einstieg: Aus Thema oder Forschungsfrage wird ein Begriffsraum — Begriffskern, Synonyme, verwandte Begriffe, mögliche Schlagwörter, deutsche und englische Suchstrategie.

      ÖffnenRecherchelandkarte
    • Recherche- und Forschungsassistent

      Für die Arbeit danach: sieben Schritte von der Forschungsfrage bis zur Argumentationslogik, mit anklickbaren Suchlinks und Niveaustufen von der VWA bis zur Dissertation.

      ÖffnenSchreib- und Forschungsassistent
    • Informationstherapeut

      Für die Beratungssituation: Begriffsvorschläge, fertige Suchlinks in den Bestand und ein Recherche-Regal, in dem Suchwege und gefundene Titel liegen bleiben.

      ÖffnenInformationstherapeut
    • Dokumentarische Erschließungswerkstatt

      Für die Textebene: zerlegt ein Dokument in Dokumentationseinheiten, erschließt jede einzeln, unterscheidet Beleggrade und macht das Ergebnis exportierbar. Hier kommen die ausgewählten Begriffe von der anderen Seite zurück — als Erschließung, die später gefunden wird.

      ÖffnenDokumentarische Erschließungswerkstatt

    Mitnehmen

    Wer nach dem Workshop nur einen Satz behält, behalte diesen: Das Modell schlägt Begriffe vor, die Konfiguration baut die Links, der Mensch entscheidet. Alles Syntaktische braucht keine KI — und alles Inhaltliche verträgt keine ohne Aufsicht.

    Warum Begriffe und
    keine Antworten?

    Weil die Auswahl der Ort ist, an dem Fachwissen wirkt. Sechs Punkte, an denen sich das festmachen lässt — sie stehen auch hinter jedem einzelnen Zettel in der Demo weiter oben.

    1

    Begriffe lassen sich widerlegen

    Ein vorgeschlagenes Wort kann man in den Katalog eingeben und dabei zusehen, ob es trägt. Eine vorgeschlagene Antwort kann man nur glauben — oder nachträglich Belege dafür suchen, die es vielleicht gar nicht gibt.

    Prüfbarkeit ist kein Nebeneffekt der Methode. Sie ist der Grund für sie.

    2

    Der Bestand entscheidet, nicht das Modell

    „Urbane Nachhaltigkeit“ klingt gut und ist im Regal dünn. „Innenentwicklung“ klingt spröde und sitzt. Welcher Begriff im eigenen Haus trägt, weiß nur, wer das Haus kennt — diese Auskunft kann kein Sprachmodell liefern.

    3

    Die Flughöhe muss stimmen

    Oberbegriffe holen zu viel, Spezialbegriffe zu wenig. Beides ist brauchbar — aber an verschiedenen Stellen der Recherche. Das Modell kennt diese Stellen nicht, weil es den Stand der (Forschungs-)Arbeit nicht kennt.

    Nicht der beste Begriff gewinnt, sondern der für diesen Schritt passende.

    4

    Nachbarfelder gehören auf die Landkarte

    Verkehrswende, Smart City, Flächenrecycling: verlockend, verwandt, und schnell ein anderes Thema. Verworfene Begriffe sind deshalb kein Abfall — sie sind die Grenzmarkierung der eigenen Fragestellung.

    5

    Am Ende steht eine Suchstrategie

    Was aus der Auswahl entsteht, ist eine Zeile mit OR, AND und Trunkierungen: lesbar, veränderbar, wiederholbar. Wer sie versteht, baut die nächste selbst. Eine Antwort dagegen ist einmalig und endet, wo sie aufhört.

    Alles Syntaktische braucht keine KI. Alles Inhaltliche verträgt keine ohne Aufsicht.

    6

    Die gesparte Zeit wandert weiter

    Die Vorschlagsliste spart das Sammeln, nicht das Denken. Wer die gewonnenen Minuten wieder in die Auswahl steckt, hat einen Gewinn. Wer sie einspart, hat nur schneller ein ungeprüftes Ergebnis.

    ·

    Eine Klarstellung

    Das ist keine Warnung vor KI. Die Maschine tut hier genau das, was sie gut kann. Der Fehler beginnt erst dort, wo ihr eine Rolle zugewiesen wird, für die sie nicht gebaut ist — und wo die Auswahl, die niemand ihr abnehmen kann, stillschweigend mitübernommen wird.